5. Juni 2012

Du Abgott meiner Seele, welche Worte sollen die Empfindungen auszudrücken vermögen, die uns überfluteten und die offensichtlich so ganz und gar unpassend sind? Dieses Gefühl, daß sich unsere Körper erkennen - eingezeichnet in meine Handflächen finde ich noch immer Dein Gesicht - und noch darüber hinaus etwas - ich weiß nicht, was - danach strebte, sich zu vereinen, ohne Rücksicht auf all das, was uns in dieser Welt trennen mag. Ich wünschte manchmal, für Dich kein fremdes Land zu sein, ich wünschte dann, daß Du weißt, was ich mag im Leben und womit ich diese unendlíche Zeit verbringe, in der Du weit weg von mir atmest. Und doch wäre ich im Kopf hundertprozentig mit demjenigen einverstanden, der mir raten würde, das ganze aufzugeben. Sag mir, daß das alles bald vorbei wäre, wenn ich mit Dir leben würde. Und daß keiner von uns beiden sein Leben ändern kann (ich weiß es ja längst selbst). Sag mir, daß es Wahnsinn wäre. Sag mir, daß ich es hinnehmen muss, Dich zu verlieren, nein, Dich freizugeben. Denn gelegentlich gelingt es mir nicht, meine alten Wegmarken wiederzufinden; ich halte mich dann - so kommt es mir vor - am Rande meines Lebens auf, ich muß erst durch eine Kompressionsschleuse, erst muß der Überdruck nachlassen. Ich muß versuchen, von der köstlichen Droge des Angebetetwerdens loszukommen. Wenn ich dann wieder auftauche ins wirkliche Leben, muss ich mich erst wieder an seine Wohltemperiertheit gewöhnen und dabei spüren doch meine Handflächen noch Deine Haut und Deine glühende Gegenwart will nicht weichen...

29.5.13 22:40, kommentieren

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2.Juni 2012

Mein Sternwanderer, mein Herz,

ich würde gerne Worte der Zärtlichkeit an Dich richten. Und weiß, ich darf es nicht. Und weiß nicht, wie ich die Kraft finden soll, stark für uns beide zu sein. Wie ich die Kraft finden soll, auf Dich zu verzichten.
Ich bin, denke ich, eher ein nüchterner, vielleicht sogar zynischer Mensch. Nicht, daß ich ein Kopfmensch wäre, o nein, normalerweíse lasse ich mich stets von meinem Bauch und meinem Herzen leiten. Aber ich habe nie an das Konzept der Liebe auf der ersten Blick geglaubt. Nie.
Und dann passiert auf einmal Das. Ausgerechnet mir. Als wollte SIE mich dafür strafen, daß ich in meinem Hochmut das Wertvollste ihrer Schöpfung negiere.
Wenn ich mich zurückerinnere an diesen Dienstag Morgen, kann ich immer noch nicht ganz begreifen, was da passiert ist. Ich saß da und dann setztest Du Dich auf den Platz mir genau gegenüber. Und ich konnte nur schauen und schauen. Es war, als hätte ein Blitz eingeschlagen und alle höheren Funktionen lahmgelegt.
Ich konnte kaum wegschauen. Und wie war mir das peínlich. Und konnte es dennoch nicht.
Da gibt es in den zuckergußtriefenden Liebesfilmen diese Szene, in der sich das Paar tief in die Augen schaut und die Welt um sie wird schwarz und bleibt stehen. Ich dachte immer, was für ein romantischer Schwachsinn. Und muss jetzt auf meine alten Tage feststellen, das gibt es wirklich, inklusive Watte in den Knien und Schmetterlingen im Bauch...
Doch SIE hat einen seltsamen und manchmal schon grausamen Sinn für Humor. SIE hätte es damit bewenden lassen können, daß mein Herz allein in Flammen steht und Deines eben nicht. Das hätte ich verwinden können. Aber für meine Sünden bedarf es wohl strengerer Strafen!
Ich habe also schließlich die Liebe auf den ersten Blick erfahren. Und Du erwiderst dieses beängstigende Gefühl! Ich habe schon viele harte Momente im Leben durchgestanden: mehrfach hätten ums Haar Unfälle meinem Leben ein plötzliches Ende gesetzt. Ich mußte mit ansehen, wie meine Großmutter an Krebs qualvoll gestorben ist und meine Mutter diesem Henker nur um Haaresbreite entkam. Das hat unendlich geschmerzt, aber ich habe nie die Hoffnung verloren, nie an IHR gezweifelt.
Dies hier sollte unsagbar viel leichter sein. Doch das Härteste, daß ich je erfahren mußte, ist es, meine Liebe erwidert zu sehen und sie nicht leben dürfen.
Was zur Hölle hat SIE sich dabei gedacht, daß ausgerechnet ich die Stimme der Vernunft sein muß. Daß ich jene sein muß, die verzichtet, um das Richtige für Dich zu tun.
Ich bin kein besonders guter Mensch, fürchte ich, und jetzt kommst Du. Und es ist einfach so, daß ich Deinetwegen ein besserer Mensch sein will. Ich bin es, seit Du da bist. Seither bin ich sanftmütiger, toleranter, liebevoller. Und darf es für den Einen, der mich dazu gemacht hat, nicht sein...
Es ist so eigenartig. Seit es sich so ergeben hat, daß wir jeden Tag miteinander telefonieren, kann ich es jeweils kaum erwarten, Deine Stimme zu hören. Schon Minuten vorher werde ich ganz kribbelig und wenn dann endlich, endlich mein Telefon klingelt, dann schlägt mein Herz so laut in meiner Kehle, daß ich kaum ein Wort herausbringe. Weil es so voll ist. Wie hat es schon Shakespeare gesagt? "Ich liebe Dich mit soviel von meinem Herzen, daß nichts mehr übrig bleibt, es zu beteuern."
UNd ich weiß nicht, wie ich die Kraft finden soll, von Dir zu lassen.
Fern vom Liebsten ist doch ewig Nacht...

29.5.13 22:19, kommentieren